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Erschwerte Möglichkeit der Konzentration

(Ztížená možnost soustředěná, 1968)

Václav Havel

2007

Zusammenfassung

Konzentration Bitte !

Huml & HumlovaHuml & BlankaEin Tag im Leben des Eduard Huml; dessen Leben wohl­geordnet scheint. Doch behält man die Ehe­frau, die Freundin, Gefährtin, Haus­frau, oder wählt man die Geliebte, die einen geschlecht­lich reizt, oder wie wäre es mit einem ganz neuen Käfer?

Ruhe Bitte ! Oder haben wir diese Szene schon einmal gesehen?

Huml & RenataDer Philo­soph Huml muss einen Tag zwischen Frau, Freundin und der anspruchs­vollen Rechen­machine »Puzuk« (die mit der erotischen Stimme) koordinieren.

Huml & PuzukErleben Sie mit, wie sich ein ganz normaler Tag in ein komödian­tisches Chaos verwandelt. Der Kultur­beutel spielt Václav Havels „Erschwerte Mög­lich­keit der Konzen­tration“ und reißt nicht nur den Zuschauer, sondern auch jeden Betei­ligten in den Bann der Humlschen Verwirrung.

Extras

Programmheft (PDF, 2,4 MB)

Spielplan von damals

beteiligte Personen

Rolle   gespielt von
Dr. Eduard Huml Wissenschaftler Sebastian Böhner
Vlasta Humlová seine Frau Beate Tammer
Renata seine Geliebte Kristin Friedrich
Blanka Sekretärin Johanna Wengorz
Dr. Jitka Balcárková Wissenschaftlerin Mireille Martin
Beck Forschungsleiter Tobias Carstens
Cěněk Machulka Vermesser Alexander Stranzky
Karel Kriebl Mechaniker Richard Lange
Puzuk Rechenmaschine Claudia Köhler
     
Regie Mireille Martin
Kostüm Jana Dassow

Plauderei fürs Nachtprogramm

Fünftes Kapitel: Die Werte

Einleitung

Unter Wert verstehen wir, was ein menschliches Bedürfnis befriedigt; die Struktur der Werte widerspiegelt somit stets die Struktur der menschlichen Bedürfnisse. Wir unterscheiden stoffliche Werte, zum Beispiel Essen, Kleidung, Wohnung und ähnliches und geistige Werte, zum Beispiel bestimmte Ideen oder Erkenntnisse, das Verhältnis zu einem anderen Menschen, das künstlerische Erlebnis und ähnliches. Verschiedene Menschen haben zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Zusammenhängen verschiedene Bedürfnisse und sehen darum verschiedene Dinge als Werte an. Aus diesem Grund wäre es verfehlt, eine feste für alle Menschen, alle Zeiten und alle Situationen gültige Skala der Werte aufstellen zu wollen. Was freilich nicht bedeutet, dass keine bestimmten Werte existieren würden, die dem ganzen Menschengeschlecht in seiner ganzen Geschichte gemeinsam wären. Dennoch gilt, dass jeder Mensch, jede Zeit, jede gesellschaftliche Gruppierung ihre eigene Werteskala hat, die grundlegende und allgemeine Werte in bestimmter Art und Weise konkretisiert. Die individuelle Werteskala des einzelnen Menschen steht dabei immer in irgendeinem Zusammenhang mit verschiedenen allgemeineren, zum Beispiel zeithaften Werteskalen, die für ihn etwas wie einen Rahmen oder Hintergrund darstellen. Zu den grundlegendsten Werten des Gegenwartsmenschen kann man beispielsweise die Arbeit rechnen, also die Möglichkeit, das zu tun, worin sich der Mensch voll zu realisieren und worin er seine spezifischen Dispositionen zu entwickeln vermag, die Beziehung zu anderen Menschen, die moralischen Prinzipien, bestimmte weltanschauliche Gewissheiten, den Glauben an etwas wofür sich der Mensch engagieren könnte.

Den Zustand, da der Mensch ein bestimmtes Bedürfnis befriedigt – da er also einen bestimmten Wert erringt – nennen wir Glück. Weil aber die Menschen, wie wir bereits sagten, sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben und darum auch sehr unterschiedliche Dinge als Werte erachten, ist der Glückszustand sehr unterschiedlichen Inhalts. Das ist auch der Grund weshalb wir uns trotz des Umstandes, dass wir alle eine sehr genaue Vorstellung darüber haben was Glück ist, sehr schwer auf eine konkrete Definition des Glücks einigen können, die allen gerecht würde.

Ist ein bestimmtes Bedürfnis des Menschen befriedigt, erlischt es im Grunde genommen. Der Mensch bedarf aber sozusagen eines ständigen Bedürfens, denn die Triebkraft seines Lebens ist nicht der Zustand befriedigter Bedürfnisse, sondern der Prozess ihres unaufhörlichen Befriedigens – das Streben nach Befriedigung. Wir kennen Situationen, zum Beispiel in einigen hochentwickelten westlichen Ländern, wo alle menschlichen Grundbedürfnisse befriedigt wurden und die Menschen dennoch nicht glücklich sind, es stellen sich bei ihnen Gefühle der Depression ein, der Langeweile, der Sinnlosigkeit und ähnliche. In solchen Situationen beginnt sich der Mensch nach etwas zu sehnen, was er in Wirklichkeit vielleicht gar nicht braucht, er suggeriert sich einfach bestimmte Bedürfnisse, die er nicht hat, oder er sehnt sich nach etwas und weiß nicht genau wonach und kann deshalb nicht danach streben. Sodass der Mensch bei Befriedigung eines Bedürfnisses – bei Erlangung des Glücks – gleich wieder ein neues Bedürfnis gebiert, ein noch zu befriedigendes, und so ist jedes Glück immer auch Negation des Glücks.

Das Glück stellt also etwas dar, das einerseits im konkreten Begriffsinhalt etwas sehr Unbeständiges, Flüchtiges, Veränderliches ist, andererseits jedoch etwas, das als bestimmter Allgemeinzustand gleichzeitig etwas sehr Beständiges ist, weil der Mensch ständig glücklich sein will, er ist also eine Art Ideal zu dem sich die menschliche Aktivität stets von neuem emporzuschwingen sucht, das der Mensch aber nie voll zu erreichen vermag. Glück ist also nicht etwas ein für allemal Gegebenes, wir verlieren es ständig und müssen ständig darum kämpfen. Und besonders in der heutigen Welt, die gekennzeichnet ist durch gigantische Entfaltung der Kommunikationsmittel, wird Glück zu einer immer schwierigeren Aufgabe. Das Bestreben des Menschen einen Zustand befriedigter Bedürfnisse zu erreichen, also bestimmte Werte zu erlangen, charakterisiert – direkt oder indirekt – jede menschliche Aktivität. Weil aber die verschiedenen Werte, die der Mensch erlangen will, von verschiedenen Standpunkten (zum Beispiel vom Standpunkt der individuellen Werteskala oder von dem einer breiteren zeitlichen Auffassung) von verschiedenen Standpunkten verschieden bewertet werden können, kann auch die Aktivität verschieden bewertet werden, die der Mensch zur Erlangung dieser Werte entwickelt. Im wesentlichen existiert zweierlei Aktivität, die positive – beispielsweise der Kampf um Gerechtigkeit – und die negative – beispielsweise das Intrigieren. Motor einer jeden Aktivität ist dabei etwas, was wir Ehrgeiz nennen können, im allgemeinsten Sinn des Wortes. Was den Ehrgeiz betrifft, so müssen wir unterscheiden: Es existieren der gesunde und der ungesunde Ehrgeiz. Unter gesundem Ehrgeiz verstehen wir das wahrhaft fruchtbare, tiefe Lebensinteresse an einer bestimmten Sache, die natürliche Sehnsucht des Menschen nach voller Realisierung in der Sphäre dieses Interesses. Ungesunder Ehrgeiz dann ist es, wenn die Sehnsucht nach eigener Geltung nicht einer solchen inneren Beziehung entsprießt, sondern wenn sie lediglich ein Mittel zur Erringung gewisser äußerer Werte darstellt, wie es beispielsweise die Macht, das Geld, Ruhm und ähnliches sind. Die positive Aktivität entsprießt dabei vor allem dem gesunden Ehrgeiz, die negative Aktivität hingegen hauptsächlich dem ungesunden Ehrgeiz. Dies ist allerdings nur ein allgemeines Schema, das wie alle Schemata, seine Abweichungen kennt, beispielsweise wenn negative Aktivität aus gesundem Ehrgeiz sprießt oder wenn im Gegenteil ungesunder Ehrgeiz zu positiver Aktivität führt.

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